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Der niederländische Datendienstleister Company.info will nun auch Finanzdienstleistern und Versicherern in Deutschland helfen, ihre Datenabfragen schneller und effizienter zu gestalten. Cash. sprach mit Daniel Brunzema, verantwortlich für das Deutschlandgeschäft, über das Dienstleistungsangebot des Unternehmens.

Herr Brunzema, an wen richtet sich Company.info als Datendienstleister?

Brunzema: Die Arbeit mit Wirtschafts- und Unternehmensdaten ist für alle Unternehmen relevant, die jeden Tag Geschäftskunden überprüfen müssen und über die Analyse von Unternehmensdaten neue Kunden hinzugewinnen wollen. In den Niederlanden finden sich unter unseren über 3.500 Geschäftskunden namhafte Wirtschaftsberatungen und Finanzdienstleister sowie zahlreiche Industrieunternehmen. Diese nutzen unsere Datendienste im sogenannten KYC-Bereich („Know Your Customer“), im Risikomanagement und in der Compliance sowie für das Kundenmanagement, die Lead-Generierung und die Marktanalyse im Marketing und Sales.

Welche Informationen können Finanzvertriebe oder Versicherer von Ihnen erhalten?

Brunzema: Wir liefern unseren Kunden nahezu alle Unternehmensdaten, die für Compliance, Marketing und die Abwicklung alltäglicher Geschäftsprozesse notwendig sind. Hinzu kommen aktuelle Wirtschaftsnachrichten zu Unternehmen aus relevanten und vertrauenswürdigen Quellen. Der wesentliche Kern unserer Dienstleistung besteht jedoch darin, dass wir alle Informationen auf einer Plattform zusammenführen und diese einfach, schnell und kostensparend zugänglich machen. Häufig benötigte Handelsregisterauszüge beispielsweise sind über unser Sharing-Modell zumeist in Echtzeit und ohne zusätzliche Kosten abrufbar. Bei der Überprüfung von Unternehmen und Personen gibt unser spezieller Compliance-Check direkt Auskunft darüber, ob Geschäftspartner auf sogenannten PEP- (politisch exponierte Personen) oder Sanktionslisten geführt sind. In dieser Form einzigartig ist unsere grafische Darstellung von Unternehmensverflechtungen. Wir zeigen deren Organisationsstrukturen mit Geschäftsführern, Anteilseignern und sonstigen Firmeninformationen und geben Aufschluss über die wirtschaftlich Berechtigten. Die Suchfunktion unseres Portals ermöglicht es, anhand von Selektionskriterien wie Umsatz, Mitarbeiterzahl, Branchen oder geografischen Merkmalen Listen für die eigene Akquise zu erstellen. Zudem kann sich jeder Nutzer individuelle Beobachtungs- und Benachrichtigungslisten zu Unternehmen anlegen, die ihn sofort über eine Veränderung der Daten- und Nachrichtenlage informieren, was beispielsweise im Kreditgeschäft eine wichtige Funktion ist.

Aus welchen Quellen stammen die Daten, die Sie auf der Plattform zusammenstellen?

Brunzema: Für unser Unternehmen hat die Datenqualität höchste Priorität. Daher beziehen wir unsere Daten von offiziellen Quellen wie dem Handelsregister und dem Bundesanzeiger sowie von international anerkannten Datenlieferanten, die sich zum Teil auf einzelne Branchen oder Regionen spezialisiert haben. Zu unserem Prinzip gehört es auch, dass wir aufzeigen, wenn es aus verschiedenen Quellen unterschiedliche Informationen zu einem Unternehmen gibt.

Was kostet die Nutzung der Plattform und wie viele Kunden haben Sie in Deutschland seit dem Start im Jahr 2018 bereits gewinnen können?

Brunzema: Wir erstellen möglichst passgenaue Angebote, damit unsere Kunden nur für die Daten zahlen, die sie wirklich nutzen. Unser Preismodell basiert auf der Anzahl der Zugänge und der Nutzungsintensität. In Deutschland sind wir mit einigen Bestandskunden aus den Niederlanden gestartet, deren Niederlassungen seit Jahren mit uns zusammenarbeiten. Im Zuge der aktiven Vermarktung in Deutschland konnten wir bereits Kunden aus unterschiedlichen Branchen hinzugewinnen – auch mit den aus unserer Datenbank generierten Leads.

Sie bieten Kunden auch „Daten on Demand“ an. Was verbirgt sich dahinter?

Brunzema: Diese Daten auf Abruf stellen wir für Kunden täglich, monatlich oder in anderen zeitlichen Abständen zusammen und liefern diese in Formaten wie beispielsweise XML, CSV und Excel. Auf diese Weise lassen sich Kundendatenbanken schnell und einfach aktualisieren. Umgekehrt prüfen wir auch komplette CRM-Systeme und reichern diese mit aktuellen Complianceund Kreditinformationen an, das gilt sowohl national als auch international.

Um welche Funktionen und Informationen möchten Sie die Plattform erweitern? Was fehlt noch?

Brunzema: Als Company.info vor über 20 Jahren gegründet wurde, waren die technischen Möglichkeiten der Datenverarbeitung vollkommen andere. Insofern ist unsere Geschichte die einer kontinuierlichen Weiterentwicklung. Im Mittelpunkt steht die Perspektive des Nutzers, für den wir relevante Daten komfortabel und schneller zugänglich machen. Wir erwarten zudem auf regulatorischer Ebene Veränderungen, die in Zukunft einen besseren Zugang zu offiziellen Daten ermöglichen. Das Europäische Parlament hat dazu jüngst eine überarbeitete Neufassung der Richtlinie über offene Daten und die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors (PSI) verabschiedet. Dabei denke ich an einfache Themen wie die Bilanzdokumente, aber auch an Sonderinformationen darüber, ob ein Unternehmen ein Betreiber kritischer Infrastrukturen ist.

Daniel Brunzema und Matthijs Tetteroo, Company.info

Deutschlandchef Daniel Brunzema (links) und Matthijs Tetteroo, geschäftsführender Vorstand von Company.info in Amsterdam

Inwieweit müssen datenschutzrechtliche Belange beim Betrieb der Plattform berücksichtigt werden?

Brunzema: Der Schutz der von uns gespeicherten Daten hat für uns als Datendienstleister natürlich höchste Priorität. Wir haben dazu alle notwendigen Voraussetzungen geschaffen. Da wir keine personenbezogenen Daten im Sinne der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) liefern, bestehen für unsere Kunden keine Nutzungseinschränkungen.

Sie planen auch eine Ampelfunktion. Wie soll diese genau aussehen?

Brunzema: Neue Funktionen werden von uns immer auf Basis der Benutzerbedürfnisse priorisiert. Auf unserer Longlist steht tatsächlich eine Ampel, die dem Nutzer als optische Unterstützung dienen soll, um schneller zu erkennen, welche Informationen vorliegen und wie aufgrund dieser das Unternehmen einzustufen ist. Auch hier arbeiten wir mit KI und lassen Erfahrungen aus den Niederlanden einfließen. Wie wir die Ampel für den deutschen Markt genau definieren, prüfen wir derzeit. Aus rechtlicher Sicht erwarten wir hier keine Einschränkungen.

Über Company.info

Der Datendienstleister Company.info wurde 1998 in Amsterdam gegründet. Seit 2012 gehört das Unternehmen zur niederländischen FD Mediagroep und zählt mit über 3.500 Kunden zu den wichtigsten Datenlieferanten niederländischer Behörden, Großbanken sowie Anwaltskanzleien- und Notariate.

Seit 2018 können auch Kunden in Deutschland die Datendienstleistungen von Company.info abrufen: www.companyinfo.de.

Sie bieten auch einen aktuellen News-Überblick zu den einzelnen Unternehmen, verbunden mit einer Einordnung in positive und negative Berichterstattung. Wie funktioniert das? 

Brunzema: In Deutschland setzen wir bereits eine automatisierte Verlinkung von Nachrichten ein, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basiert. Weitere Features für die deutsche Version planen wir im vierten Quartal 2019. Dann wollen wir auch für die deutsche Version KI-Modelle zur Erkennung der Nachrichtenstimmung trainieren, wie wir sie in den Niederlanden bereits einsetzen. Nutzer können dadurch relevante Informationen positiver oder negativer Art schneller erkennen. Wie beim Menschen gehören allerdings auch bei der KI Fehler zum Lernen dazu.

Welche Vorteile hat der Nutzer Ihres Datendienstes generell?

Brunzema: Das ist einfach beantwortet: Unsere Kunden sparen zunächst Zeit und Geld. Trotz digitaler Transformation folgen Unternehmen bei der Datenerhebung häufig noch klassischen Prozessen mit der Einzelabfrage vieler Quellen. Über die Prozessoptimierung besteht hier erhebliches Einsparpotenzial bei Kosten und personellen Ressourcen, indem wir Daten bündeln und den mehrfachen Sprung von einer Quelle zur nächsten vermeiden. Das gilt für die Abfrage auf unserer Plattform und geeignete IT-Schnittstellen, über die größere Kunden unsere Daten in ihre ERP-Systeme (Enterprise-Resource-Planning) und CRM-Systeme (Customer-Relationship-Management) einspeisen, um beispielsweise die Zuverlässigkeit von Kunden und Interessenten im Hinblick auf Zahlungsverpflichtungen zu prüfen.

Das Gespräch führte Kim Brodtmann, Cash.